SERBISCH ORTHODOXER JUGENDVEREIN INNSBRUCK

SPOJI

In Innsbruck fand zum sechsten Mal der Gedenkspaziergang für Diana Budisavljević in Anwesenheit ihres Urenkels Leonardo Rašica sowie ihrer Verwandten aus Tirol und Wien statt

Am Sonntag, den 20. September 2026, fand in Innsbruck der sechste Gedenkspaziergang für Diana Budisavljević (geb. Obexer) und ihre HelferInnen statt. Zum zweiten Mal wurde der Gedenkspaziergang in Anwesenheit ihres Urenkels Leonardo Rašica aus Brasilien abgehalten, der sich aus diesem Anlass zum zweiten Mal in Innsbruck aufhielt. Erstmals nahmen auch Verwandte Dianas aus Tirol und Wien daran teil. Der Gedenkspaziergang für Diana Budisavljević wurde 2021 vom Serbisch Orthodoxen Jugendverein Innsbruck (SPOJI) ins Leben gerufen – mit Unterstützung und Beteiligung der Serbisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Innsbruck.

Ausgangspunkt des Gedenkspaziergangs war der Platz vor der Serbisch-Orthodoxen Kirche zur Geburt des Heiligen Johannes des Täufers. Unmittelbar nach der Heiligen Liturgie und dem Gebet für ein erfolgreiches neues Schuljahr versammelte sich dort eine große Gruppe von Menschen – die bislang größte, seitdem der Spaziergang veranstaltet wird.

Vladimir Vlajić, einer der Gründer von SPOJI, Vorstandsmitglied des Dachverbandes der Serben in Österreich und erster österreichischer Gedenkdiener in Serbien, erläuterte allen Anwesenden nochmals auf Deutsch und Serbisch, entlang welcher Route der Gedenkspaziergang verlaufen und wie der Ablauf nach der Ankunft am Grab gestaltet sein würde. In diesem Jahr nahmen neben zahlreichen Gemeindemitgliedern der Serbisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Innsbruck sowie Vertretern und Mitgliedern nahezu aller Kultur- und Kunstvereine serbischer Herkunft aus Tirol – wobei die Kinder des KSUD „Bratstvo“ und des KUD „Ostrog“ aus Innsbruck in serbischen Volkstrachten erschienen – auch Vertreter aus Wissenschaft und verschiedenen Institutionen am Gedenkspaziergang teil. Neben Leonardo Rašica, Dianas Urenkel aus Brasilien, waren auch ihre Verwandten aus Innsbruck beziehungsweise Tirol anwesend: Herr Michael Norz aus Innsbruck mit seinem Sohn Mag. Florian Norz und seiner Tochter Mag. Maria Schrecksnadel Norz, Frau Trude Kroesen (geb. Norz) mit ihrem Sohn Dr. Stefan Kroesen sowie Dianas Verwandte aus Wien, Prof. Michael Zimpfer und sein Bruder Dr. Alexander Pflaum. Aus Pančevo in Serbien reiste Siniša Jerinić gemeinsam mit seiner Ehefrau an. Sein Vater Dušan Jerinić wurde als Kleinkind von Diana Budisavljević gerettet und lebt bis heute in Pančevo. Aus Wien kam außerdem S. E. der Botschafter von Bosnien und Herzegowina, Herr Siniša Bencun, gemeinsam mit seiner Ehefrau. Herr Bernhard Höfler, österreichischer Nationalratsabgeordneter, musste seine Teilnahme unmittelbar vor Beginn des Gedenkspaziergangs krankheitsbedingt absagen, übermittelte jedoch allen Anwesenden seine herzlichsten Grüße. Aus Salzburg reisten Frau Vera Vukićević, Generalkonsulin der Republik Serbien, sowie Dejan Udovičić, Konsul der Republik Serbien, an. Frau Daniela Meichtry, Abgeordnete zum Tiroler Landtag, nahm zugleich in Vertretung des Tiroler Landeshauptmann-Stellvertreters, Herrn Philip Wohlgemuth, teil. Ebenfalls anwesend war Frau Zeliha Arslan, Abgeordnete zum Tiroler Landtag. In Vertretung des Innsbrucker Bischofs Glettler nahm Dr. Martin Kapferer, Direktor des Diözesanarchivs Innsbruck, teil. Auch anwesend waren Georg Willi, Vizebürgermeister der Stadt Innsbruck, Mag. Benjamin Plach, Mitglied des Innsbrucker Gemeinderates, der zugleich die zweite Vizebürgermeisterin Mag. Elli Mayr vertrat, Andrea Dengg, Mitglied des Innsbrucker Gemeinderates, Dr. Lukas Morscher, Direktor des Stadtarchivs Innsbruck, sowie Mag. Alexander Legniti, Leiter der städtischen Friedhöfe. Darüber hinaus nahmen Dr. Andreas Maislinger, Gründer des Österreichischen Gedenkdienstes im Ausland, Vera Merkel, Ehrenmitglied von SPOJI aus Innsbruck, die sich über viele Jahre hinweg mit dem Leben Diana Budisavljevićs beschäftigt hat, sowie Milka Kajganić, Präsidentin der Schriftstellervereinigung „Zlatno pero“, teil. Milka Kajganić verfasste unter anderem das Drehbuch für den dokumentarischen Spielfilm „33 Engel“ über das Leiden und das Umkommen serbischer Kinder aus dem damaligen Unabhängigen Staat Kroatien in nationalsozialistischen Lagern in Norwegen. Ebenfalls anwesend waren Dr. Julijana Vukašinović und ihr Ehemann Dragan Vukašinović, die aus Zürich und Solothurn in der Schweiz angereist waren, Dr. Mirjana Premović, Vertreterin des Bayerisch-Serbischen Akademischen Forums aus München, sowie Mile Torlaković, Präsident des Dachverbands der Serben Tirol.

Dann ging es von der ehem. Herz-Jesu-Kirche in Richtung Westfriedhof, wo Diana am Familiengrab der Familie Obexer ihre letzte Ruhestätte fand. Dort zündeten Leonardo Rašica und Vladimir Vlajić, eine Kerze an und legten Blumen als Zeichen der Dankbarkeit und des ewigen Gedenkens im Namen aller Beteiligten nieder. Vladimir Vlajić, erzählte über die wichtigsten Fakten aus Dianas Biografie und erinnerte über das Engagement von „SPOJI“, der seit 2010 zahlreiche Initiativen und Aktivitäten umgesetzt hat, um an Diana und ihre HelferInnen zu erinnern.

„Den Gedenkspaziergang für Diana und ihre HelferInnen haben wir deshalb ins Leben gerufen, um ihr und ihren HelferInnen jedes Jahr im August unseren ewigen Dank auszudrücken, sowie ein Zeichen der aktiven und lebendigen Erinnerungskultur in unserer Heimatstadt Innsbruck und unserem Heimatland Tirol zu setzen. Dadurch wollen wir auch zum Ausdruck bringen wie sehr uns eine lebende Erinnerung an Diana und ihre HelferInnen wichtig ist, wie sehr wir sie lieben und schätzen, da sie mit ihren UnterstützerInnen während des Zweiten Weltkriegs zwischen 7.500 und 12.000 serbische Kinder vor dem Völkermord und zwei kroatische Partisanenkinder vor dem politischen Revanchismus in den Todeslagern des faschistischen Ustascha-Regimes im damaligen Unabhängigen Staat Kroatien retten konnte. Wir wollen damit auch jedes Jahr an alle Opfer des Zweiten Weltkriegs erinnern, da Diana zwar tausende vorwiegend serbische Kinder aus diesen KZs retten konnte, jedoch weitaus mehrere tausende serbische, jüdische und Roma-Kinder Opfer des Völkermords waren und auch Kinder von Antifaschisten verschiedenster Nationen in den KZs umkamen nur weil sie anderer Abstammung waren oder sich ihre Eltern dem Wahnsinn der Nazis, Ustascha und anderer faschistischer Gruppierungen wiedersetzt haben.“ – sagte Mag. Vlajić am Ende seiner Rede.

Anschließend trug Mag. Alexander Legniti, Leiter der städtischen Friedhöfe Innsbruck, allen Anwesenden ein Gedicht über Diana vor. Er hatte es am Morgen desselben Tages auf dem Weg zur Serbisch-Orthodoxen Kirche verfasst, wo zahlreiche Ehrengäste an der Heiligen Liturgie teilgenommen hatten. Bis heute hat er unzählige Gedichte geschrieben, die Diana Budisavljević gewidmet sind.

Im Anschluss wandte sich Dianas Urenkel Leonardo Rašica auf Englisch an die Anwesenden. Nach seinem Aufenthalt im Jahr 2024 bereiste er auch im August dieses Jahres Serbien, Kroatien und Innsbruck, um seine Recherchen zu den historischen und persönlichen Hintergründen seiner Urgroßmutter Diana für das Buch, das er über sie schreibt, abzuschließen. Seine Ansprache geben wir im Folgenden in voller Länge wieder:

„Als Urenkel von Diana Budisavljević werden mir häufig zwei Fragen gestellt. Die erste ist einfach: „Wie genau bist du mit Diana verwandt?“

Diana und ihr Ehemann, Julije Budisavljević, hatten zwei Töchter. Ihre ältere Tochter Jelka wurde 1918 hier in Innsbruck geboren. Jelka war meine Großmutter. Im Jahr 1919 zog die Familie nach Zagreb, wo ihre zweite Tochter Ilse geboren wurde.

Während des Krieges, als Diana ihre humanitäre Hilfsaktion durchführte, heiratete Jelka meinen Großvater Mario Rašica. Als er erfuhr, dass Jelka schwanger war, beschlossen sie, Jugoslawien zu verlassen. Nach den Worten meines Großvaters wollte er kein Kind in einem kommunistischen Land großziehen. So wurde mein Vater 1947 im italienischen Genua geboren. Weniger als ein Jahr später wanderte die Familie nach Brasilien aus, wo eine Generation später, im Jahr 1972, ich in São Paulo geboren wurde.

Die Verwandtschaftslinie ist also ganz direkt: Diana und Julije waren meine Urgroßeltern, ihre Tochter Jelka war meine Großmutter, und ich bin Dianas Urenkel.

Die zweite Frage ist komplizierter: „Wie fühlt es sich an, der Urenkel von Diana Budisavljević zu sein? Du musst sehr stolz sein.“ Die erwartete Antwort scheint beinahe selbstverständlich zu sein: Stolz und Ehre. Doch das waren nie ganz die Gefühle, die ich empfand. Als ich das Ausmaß von Dianas Hilfsaktion entdeckte, waren meine ersten Reaktionen vielmehr Verwunderung und Ratlosigkeit. Auf diese Frage werde ich am Ende zurückkommen.

Dass ich im Jahr 2002 von Dianas Hilfsaktion erfuhr, war reiner Zufall, aber diese Geschichte ist zu lang, um sie jetzt zu erzählen.

Später, fest entschlossen, ein Buch über Diana und ihre humanitäre Hilfsaktion zu schreiben, kam ich 2013 nach Serbien und Kroatien und vor zwei Jahren nach Serbien, Kroatien und Österreich, unter anderem hierher nach Innsbruck.

Auch meine jetzige Reise ist noch Teil dieses Entdeckungsprozesses. Gespräche mit Historikern, erneute Begegnungen mit überlebenden Kindern, Nachforschungen in Jasenovac und seiner Umgebung sowie eine weitere Reise nach Innsbruck sollen die notwendige Grundlage für das Buch schaffen, das ich 2027 fertigstellen möchte. Nach mehr als zwanzig Jahren habe ich jedoch verstanden, dass diese Forschung niemals wirklich „abgeschlossen“ sein kann. Es wird immer noch ein weiteres Dokument, eine weitere Aussage, einen weiteren Nachfahren oder eine unbeantwortete Frage geben. Irgendwann muss ein Buch fertiggestellt werden, nicht weil es nichts mehr zu entdecken gäbe, sondern weil der Autor entscheidet, dass der Zeitpunkt zur Veröffentlichung gekommen ist.

Doch ein solches Buch kann nicht im Alleingang entstehen. Mit Gottes Hilfe und dank der Großzügigkeit all jener, die ihre Erinnerungen, ihr Wissen, ihre Dokumente, ihre Zeit und ihre Freundschaft mit mir geteilt haben, hoffe ich, das bestmögliche Buch über Diana zu vollenden, das ich zu schreiben vermag. Auf seinem Umschlag mag der Name eines einzigen Autors stehen, doch es ist zugleich eine Gemeinschaftsleistung. Es ist den überlebenden Kindern zu verdanken, die mir ihre Erinnerungen anvertraut haben, den Historikern, die ihr Wissen mit mir geteilt haben, und den vielen Menschen, die mir geholfen haben, Dianas Weg nachzuverfolgen.

Und damit komme ich zu der Frage zurück, mit der ich begonnen habe: Wie fühlt es sich an, der Urenkel von Diana Budisavljević zu sein? Verwunderung und Ratlosigkeit entsprechen meinen Gefühlen nach wie vor viel eher als Stolz. Dianas Nachfahre zu sein, ist keine Leistung. Ich habe nichts getan, um es mir zu verdienen. Wenn ich in einigen Jahren auf das veröffentlichte Buch blicken und das Gefühl haben kann, dass die Arbeit ihrem Vermächtnis zumindest in bescheidenem Maße gerecht geworden ist, dass sie dazu beigetragen hat, die Erinnerung an ihr Wirken, an jene, die an ihrer Seite arbeiteten, und vor allem an die Kinder zu bewahren, dann werde ich vielleicht das Gefühl haben, etwas von ihrem Werk weitergeführt zu haben.

Ich muss auch eine Lücke schließen, die in der Wahrnehmung von Dianas Geschichte bei vielen Menschen noch immer besteht. Obwohl dies in ihrem Tagebuch deutlich hervorgehoben wird und auch Bücher, Dokumentationen und Filme darauf aufmerksam machen, ist vielen Menschen noch immer nicht vollständig bewusst, dass Dianas Arbeit aus zwei Teilen bestand.

Der erste Teil bestand darin, die Kinder körperlich aus den Lagern zu retten, sie also so schnell wie möglich herauszuholen, damit sie eine Überlebenschance hatten. Doch es gab noch einen weiteren Teil, der für Diana ebenso wichtig war: diese serbischen Kinder wieder mit ihren ursprünglichen Familien zusammenzuführen.

Das geht aus Dianas Tagebuch sehr deutlich hervor. Es erklärt, warum sie ihre außerordentlich detaillierte Kartei anlegte. Wann immer es möglich war, hielt sie den Namen eines Kindes, seinen Herkunftsort, sein Geburtsdatum und die Namen seiner Eltern fest. Waren die Kinder zu jung, um diese Angaben machen zu können, notierte sie alles, was eines Tages zu ihrer Identifizierung beitragen konnte: Narben, Muttermale, Geburtsmale und andere besondere Erkennungsmerkmale. Jedes einzelne Detail konnte einer Familie eines Tages helfen, ihr Kind zu finden.

Doch Diana wurde nie gestattet, diesen Teil ihrer Arbeit zu vollenden.

Kurz nach dem Krieg beschlagnahmten die neuen kommunistischen Machthaber ihre Kartei und die dazugehörigen Unterlagen. Aus ihrem Tagebuch wird deutlich, wie niederschmetternd dies für sie war. Zunächst wollte sie die Unterlagen nicht freiwillig herausgeben. Als Vertreter der Behörden ihr einen offiziellen Befehl vorlegten, gab sie schließlich nach.

Diana bestand darauf, dass sie, wenn sie schon die Kartei mitnahmen, auch alles andere mitnehmen mussten: die Fotografien, Notizen und begleitenden Informationen. Andernfalls wären die Unterlagen unvollständig gewesen. Sie hoffte, dass jemand innerhalb des neuen Systems die Arbeit fortsetzen würde.

Sie bot an, selbst weiter mit den Unterlagen zu arbeiten. Dieses Angebot wurde abgelehnt. Daraufhin schlug sie vor, dass eine mit den Einzelheiten des Archivs vertraute Person aus ihrem Mitarbeiterkreis diejenigen unterstützen sollte, die die Arbeit übernahmen. Auch dieser Vorschlag wurde abgelehnt.

Die Folgen waren tragisch.

Nach dem Krieg suchten Eltern weiterhin nach ihren Kindern und Geschwister nacheinander. Menschen kamen zu Diana nach Hause oder schrieben ihr und baten um Auskunft über einen Sohn, eine Tochter, einen Bruder oder eine Schwester.

Diana, die jahrelang genau jene Informationen gesammelt hatte, die ihnen möglicherweise hätten helfen können, konnte nichts tun, weil sich die Unterlagen nicht mehr in ihrem Besitz befanden.

Wir wissen nicht genau, warum die neuen Machthaber beschlossen, Dianas Arbeit nicht in ihrem Sinne fortzuführen. Historiker verweisen auf ideologische und politische Gründe. In der Nachkriegszeit wurde unter dem Motto „Brüderlichkeit und Einheit“ eine gemeinsame jugoslawische Identität anstelle der früheren ethnischen und religiösen Identitäten betont. Für das neue Regime machte es möglicherweise kaum einen Unterschied, ob ein serbisches Kind in einer kroatischen Familie aufwuchs, schließlich waren nun alle Jugoslawen. Dabei war dies nicht die ursprüngliche Familie des Kindes, und seine Angehörigen suchten möglicherweise noch immer verzweifelt nach ihm. Was auch immer die Gründe waren, viele Familien wurden nie wieder zusammengeführt.

Ich möchte dies besonders betonen, weil eine Minderheit, so unbegreiflich es auch ist, noch immer Diana selbst die Schuld daran gibt, dass serbische Kinder bei kroatischen Familien blieben, ohne Kenntnis ihrer Herkunft aufwuchsen und in manchen Fällen starben, ohne jemals ihre wahre Familiengeschichte erfahren zu haben.

Die Beweislage zeigt uns das Gegenteil. Diese Kinder wieder mit ihren ursprünglichen Familien zusammenzuführen, war ein grundlegendes Ziel von Dianas Arbeit.

Die Tragödie endete daher nicht mit dem Krieg. Manche Mütter und Väter fanden ihre Kinder nie wieder. Brüder und Schwestern blieben voneinander getrennt. Selbst heute, mehr als achtzig Jahre später, suchen Menschen noch immer nach ihren Angehörigen. Wir kennen eine bemerkenswerte Frau, die bald zweiundneunzig Jahre alt wird und noch immer nach ihrem Bruder sucht.

Das gewaltige Ausmaß von Dianas Leistung bei der physischen Rettung der Kinder aus den Lagern hatte eine unvorhersehbare Nebenwirkung: Es überschattete diesen anderen Teil ihrer Arbeit. Ihr Leben zu retten, war die unmittelbarste Aufgabe. Doch für Diana endete die Rettung nicht damit, dass ein Kind aus einem Lager herausgebracht worden war.

Sie sollte erst dann enden, wenn dieses Kind den Weg zurück zu seiner Familie gefunden hatte.

Und das war für Diana ebenso wichtig wie die physische Rettung der Kinder.

Ihr Tagebuch ist inzwischen seit mehr als zwei Jahrzehnten veröffentlicht. Seither haben Bücher, Dokumentationen und Filme ihre Geschichte auf Serbisch, Kroatisch, Deutsch und Englisch erzählt. Wer heute, im Jahr 2026, weiterhin behauptet, Diana habe nicht beabsichtigt, diese Kinder wieder mit ihren ursprünglichen Familien zusammenzuführen, kann dies daher nicht länger mit einem Mangel an verfügbaren Informationen erklären.

An diesem Punkt handelt es sich entweder um Unwissenheit oder um Böswilligkeit.

Damit kehre ich ein letztes Mal zu der Frage zurück, wie ich mich fühle: Wenn es mir durch dieses Buch gelingt, ihre wahre Geschichte richtig, vollständig und ohne Auslassungen zu erzählen, und wenn diese Geschichte andere dazu inspiriert, Menschen in Not zu helfen, unabhängig von ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit oder Religion, dann werde ich mir vielleicht ein wenig von jenem Stolz und jener Ehre zugestehen, von denen andere annehmen, dass ich sie empfinden müsse.

Bis dahin werde ich mich wohl weiterhin von meiner Verwunderung und Ratlosigkeit antreiben lassen, die Geschichte dieser außergewöhnlichen Frau, die zufällig meine Urgroßmutter war, zu verstehen, zu bewahren und zu erzählen.“ erzählte Leonardo Rašica am Grab seiner Urgroßmutter vor allen versammelten Teilnehmerinnen und Teilnehmern des diesjährigen Gedenkspaziergangs.

Zum Abschluss gab es noch eine kleine Überraschung für alle Anwesenden. Im Namen von SPOJI überreichte Vladimir Vlajić Leonardo Rašica eine Ehrenplakette, mit der dessen Ehrenmitgliedschaft in unserer Organisation offiziell wurde. Leonardo ist SPOJI seit 2013 verbunden und arbeitet seither mit unserer Organisation im Bereich der Erinnerungskultur zusammen – insbesondere an der Bewahrung des Andenkens an seine Urgroßmutter Diana Budisavljević und ihr Lebenswerk. Diese Geste bereitete Leonardo Rašica große Freude und wurde von allen Anwesenden mit kräftigem Applaus und lächelnden Gesichtern begrüßt. Die gesamte Veranstaltung wurde von nahezu allen Teilnehmenden als sehr emotional, zugleich aber auch als positiv und lehrreich empfunden.

DIANA BUDISAVLJEVIĆ, GEB. OBEXER

Diana Budisavljević wurde 1891 als Frieda Olga Diana Obexer in Innsbruck geboren. Sie war Tochter des Tiroler Kaufmanns Max Obexer und Anna Roese. Ihr Großvater Michael Obexer war u.a. auch Gründer des Kurortes Igls. Sie verbrachte ihre Jugend in Innsbruck, u.a. in ihrem Geburtshaus, dem „Obexer-Haus“, in der Maria-Theresien-Straße, das sich auch heute noch dort befindet und in dem heute der Verlag „Tyrolia“ angesiedelt ist.

Sie absolvierte die Volks- und Mittelschule in Innsbruck und besuchte 1910er Jahren einen Pflegekurs an der Universitätsklinik und lernte dort den Assistenzarzt an der Chirurgischen Klinik in Innsbruck, den aus Kroatien stammenden Serben Dr. Julije Budisavljević (1882–1981) kennen, den sie 1917 heiratete. Sie zogen 1919 nach Zagreb, wo ihr Mann als Universitätsprofessor der Chirurgie an der Medizinischen Universität tätig war.

Als am 6. April 1941 Nazi-Deutschland das Königreich Jugoslawien ohne Vorwarnung aus der Luft angriff kam es zum Zerfall des Königreichs, das unter den Kollaborateuren des Dritten Reichs aufgeteilt wurde. Dabei wurde auf dem heutigen Territorium Kroatiens, Bosnien und Herzegowinas und einem Teil Nordserbiens, mit Unterstützung der Nationalsozialisten, der sogenannte Unabhängige Staat Kroatien unter der Führung des faschistischen Ustascha-Regimes ausgerufen. Dieser Vasallenstaat von Hitlers Gnaden setzte aggressive Rassengesetze um, wobei zu den größten „Feinden des kroatischen Volkes“ Serben, Juden und Roma gehörten. Es begann der Völkermord an Serben, Juden und Roma. Das KZ Jasenovac wurde zum Auschwitz des Balkans und die faschistischen Mörderbanden machten auch vor Kindern nicht Halt. Als Diana Budisavljević davon erfuhr, dass Kinder in Konzentrationslagern zu Tode geprügelt wurden, verhungerten und an Seuchen starben, zögerte sie nicht. Obwohl die Familie ihres Mannes ebenfalls durch das Ustascha-Regime gefährdet war, organisierte sie in den Jahren 1941 bis 1945 zusammen mit mehreren Mitarbeitern, darunter Diplomingenieur Marko Vidaković und Ingenieur Djuro Vukosavljević, eine private Hilfsaktion unter dem Namen „Aktion Diana Budisavljević“.

Die Aktion kümmerte sich um die Versorgung mit Hilfsgütern sowie Freilassung und Unterbringung von Kindern und Frauen, überwiegend serbischer Herkunft, aus den Todeslagern des Ustascha-Regimes. Mit Hilfe von Transportlisten und weiteren Quellen führte sie zusammen mit ihren Mitarbeitern eine Kartei, die gegen Kriegsende Angaben von ca. 12.000 Kindern enthielt. Zum Ende des Krieges, als es darum ging, die Kinder ihren Familien zurückzugeben, erlitt das Hilfswerk einen herben Rückschlag, als die Kommunisten ihre Kartothek mit sämtlichen Aufzeichnungen konfiszieren ließen.

Sie zog 1972 mit ihrem Mann wieder nach Innsbruck, wo sie bis zu ihrem Tod 1978 in der Anichstraße 24 lebte. Sie wurde am Innsbrucker Westfriedhof am Familiengrab unter der Arkade 48 beerdigt.

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